EuropaMuttertag

9. Mai Muttertag und Europatag

Doch was haben die beiden gemeinsam?

 

 

Ehre, wem Ehre gebührt – so etwa den Müttern am Muttertag. Dieser fällt heuer auf den 9. Mai und stellt somit quasi einen „Doppelfeiertag“ dar, denn zeitgleich wird auch der - weitaus unbekanntere – Europatag begangen. Dabei entstanden beide aus einem ähnlichen Grund: Als Initiative für Frieden, Freiheit, Gemeinschaft und Gleichheit. Wobei der Europatag zudem die Geburtsstunde der Europäischen Union markiert.

 

 

Als Geburtshelfer fungierte seinerzeit der französische Außenminister Robert Schumann. Getragen von der Vision eines vereinten, friedlichen und gerechten Europas setzte er sich am 9. Mai 1950 in einer flammenden Rede für eine überstaatliche Vergemeinschaftung der Stahlproduktion, die Montanunion, ein. Aus dieser wegweisenden Idee entwickelte sich die heutige EU, die nicht nur den Friedensnobelpreis erhielt, sondern von Anfang an bedeutsame Verbesserungen der Lage der Frau bewirkt hat.

Am 9. Mai ist Muttertag. Jeder kennt ihn, jeder feiert ihn, doch nur die wenigsten wissen vom Europatag, der gleichfalls am 9. Mai begangen wird. Dabei verfolgen beide ähnliche Zielsetzungen. Mehr Frieden, mehr Gleichheit, mehr Gerechtigkeit, mehr Chancen für die Frau in der Gesellschaft, Werte, die zu den Grundrechten der Europäischen Union zählen.

Kitsch und Kommerz

„I wanted it to be a day of sentiment, not profit“, meinte Jarvis, die definitive Begründerin des Muttertags, aber ihr Anliegen geriet leider in Vergessenheit. Heute stellt der Muttertag primär einen Wirtschaftsfaktor dar, der dem heimischen Handel nach Weihnachten und Ostern den meisten Umsatz beschert. Mütter, Schwiegermütter und Großmütter werden mit Blumen/Pflanzen (41%), Schokolade/Süßigkeiten (19%), nicht-materiellen Geschenken/Ausflügen (16%), selbst Gekochtem (16%) und Gutscheinen (12%) beglückt, wofür im Jahr 2020 insgesamt 200 Millionen Euro ausgegeben wurden, durchschnittlich 57 Euro pro Kopf, von den Burgenländern sogar 67.

 https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200506_OTS0179/muttertag-2020-oesterreicher-geben-heuer-pro-kopf-59-euro-und-insgesamt-200-millionen-euro-fuer-geschenke-aus

Zum Mutterglück bedarf es allerdings mehr als nur eines botanischen Gebindes. Etwa Gleichstellung der Geschlechter und faire soziale Bedingungen. Für all diese hehren - und im 21. Jahrhundert längst überfälligen - Ziele wurde der Muttertag einst auch ins Leben gerufen, doch das ist kaum bekannt. 

Den „Müttern“ wurden ja seit jeher viel Ehre und noch mehr Blumen zuteil. Vor Tausenden Jahren huldigte man der „Magna Mater“ Kybele oder auch Rhea, einer Fruchtbarkeitsgöttin, mit Aufkommen des Christentums übernahm „Mutter Kirche“ die Rolle der Übermutter, Heinrich III. rief im 13. Jahrhundert einen „Mothering Day“ aus, um dieser religiösen Institution gebührend zu huldigen und Napoleon versuchte sich 1806 gleichfalls an der Etablierung eines Muttertags, gab sein Unterfangen nach der Schlacht bei Waterloo allerdings auf.

 

Erst als der Feminismus sich dieser Frauenangelegenheit annahm, kam Schwung in die weibliche Sache. 1870 verlas die amerikanische Frauenrechtlerin Julia Ward Howe 1870 ihre Mother´s Day Proclamation, in der sie sich explizit für Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung aussprach. Um bunte Blumenspenden oder reichen Kindersegen ging es dabei nicht. Ein Gedanke, dem sich bald darauf auch die Feministin Anna Marie Jarvis aus West Virginia verschrieb. Jarvis gilt bis heute als offizielle Begründerin des Muttertages, wobei auch sie keinesfalls Küchendienste und Kindsobsorge honorieren, sondern auf die Unterdrückung und Fremdbestimmung ihrer Geschlechtsgenossinnen hinweisen wollte. 1914 erfüllte sich ihr Wunsch: Präsident Wilson rief den Mother´s Day zum Feiertag aus. Eine Weltkarriere begann. 1923 erreichte er auf Drängen der Blumengeschäftsinhaber Deutschland, mit im Gepäck die Kommerzialisierung einer einst pazifistischen und emanzipatorischen Idee. Und weil schlimmer immer ging, missbrauchte auch der Nationalsozialismus den Muttertag für seine Zwecke. Zu den Blumen gesellte sich das „Ehrenkreuz der deutschen Mutter“, das allein 1939 an drei Millionen Frauen verliehen wurde – für besondere Gebärleistungen im Dienste der Herrenrasse.

 

Dass hierzulande die Pionierin der heimischen Frauenbewegung, Marianne Hainisch, den zweiten Sonntag im Mai mit seiner ursprünglichen Botschaft feiern wollte, ist auch im Burgenland längst vergessen. Dabei würden Frauen auch heute noch weitaus mehr benötigen als einen bunten Blumenstrauß. Immerhin sind 70% der SystemerhalterInnen weiblich, leisten unbezahlte Hausarbeit, haben im Vorjahr 2100 neue BurgenländerInnen in die Welt gesetzt, waren zu 39,2 % als Unternehmerin tätig, während 28.853 in Teilzeit arbeiteten und sich 10.716 als Alleinerzieherinnen durchschlagen mussten. Um auch manifeste weibliche Berufsbilder aufzulösen, wurde vom Land Burgenland das digitale Berufsorientierungsprojekt = Mach MI(N)T ins Leben gerufen. In Kooperation mit dem Pakt für Beschäftigung (RMB) wurden Vorbilder in ihrem spannenden Arbeitsumfeld interviewt.

Text: Klaudia Blasl

Sujet: Kommunikation Burgenland