Mütter in Europa

Alter/ Kinderanzahl

Heimische Mütter bekommen im Durchschnitt mit 31,2 Jahren (Stand 2019) ihr erstes Kind, wobei die gesamtösterreichische Fertilitätsrate derzeit 1,46 beträgt, die burgenländische 1,39. (siehe Statistik von Manfred Dreisker, Statistik Burgenland) Burgenländische Mütter sind mit 31,6 Jahren zudem die ältesten „Erstgebärenden“ und bringen bundesweit die wenigsten (2100) Kinder auf die Welt. (Quelle Statistik Austria) Etwas jünger und derzeit noch „kinderreicher“ sind die Staaten im Osten der EU wie etwa Bulgarien.

Das Durchschnittsalter von Frauen in der Europäischen Union (EU-27) bei der Geburt des ersten Kindes betrug im Jahr 2018 rund 29,3 Jahre, wobei in nahezu allen Ländern ein starker Geburtenrückgang zu verzeichnen ist. (statista com) 2019 gebar die „Durchschnittseuropäerin“ 1,53 Kinder, zur Aufrechterhaltung der Bevölkerungszahl wären allerdings 2,1 Kinder nötig.

Interessant dabei, dass in Österreich, Deutschland und der Schweiz nur rund fünf Prozent aller Frauen die Absicht hatten, kinderlos zu bleiben. Tatsächlich sind es mit rund 20 Prozent viermal so viel. https://science.orf.at/v2/stories/2972883/
https://www.derstandard.at/story/2000082874089/mehr-kinderlose-weniger-kinderreiche-familien

Am größten ist dieser „Fertility gap“ übrigens bei den Akademikerinnen, am kleinsten in Frankreich.

Alleinerzieherinnen

Beim Blick auf die Lebensformen von Frauen und Männern – allein lebend, in einer Paargemeinschaft, mit Kindern oder ohne - zeigen sich eine Reihe von Unterschieden. Im Jahr 2019 lebten in der EU 11% der Frauen allein mit Kindern, gegenüber 3 % der Männer.
https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2020/659870/IPOL_STU(2020)659870_EN.pdf

Was das Burgenland (2019) betrifft, sind 9,8% Frauen und 0,9% Männer allein erziehend.

https://www.bmfsfj.de/resource/blob/119524/f51728a14e3c91c3d8ea657bb01bbab0/familienreport-2017-data.pdf 

Erwerbstätigkeit

In diesem Bereich zeichnen sich europa- und landesweit besondere Unterschiede ab. 2005, als die EU noch 15 Mitglieder hatte, lag die Erwerbstätigenquote der Männer mit 73 Prozent über der Quote der Frauen mit 57 Prozent, https://link.springer.com/content/pdf/bbm%3A978-3-531-90876-2%2F1.pdf  in Österreich arbeiteten damals bereits 64% aller Frauen insgesamt, 24% davon in Teilzeit. Mittlerweile sind in der ganzen Republik 84,5% aller 25-49jährigen Frauen berufstätig, allerdings nahezu die Hälfte (49,1%, Stand 2020) in Teilzeit (Statistik Austria). Auf das Burgenland bezogen hatten 2018 149.539 Frauen einen Arbeitsplatz, was einem Frauenanteil von 51% entspricht, allerdings waren davon 81,6 % teilzeitbeschäftigt. (Statistik Burgenland) Einer der europaweit höchsten Werte überhaupt.
Hier finden sich dazu Berechnungen https://www.burgenland.at/fileadmin/user_upload/Downloads/Buerger_und_Service/Frauen/Downloads/FrauenBericht_A4_allerletzte_Korr.pdf

Früher hingegen waren erwerbstätige Mütter der älteren Generation zum Großteil in Vollzeit tätig (rund 70 Prozent), heute überwiegt bei den Müttern der jüngeren Generation die Teilzeitbeschäftigung (rund 70 Prozent), wodurch eine Kluft zwischen kinderlosen Frauen in Vollzeit und Müttern in Teilzeit entstanden ist, mit Konsequenzen, was die pensionsbedingte Altersarmut betrifft.

Noch im Jahre 2005 stimmten übrigens im Rahmen einer EU-weiten Umfrage über die Geschlechterrollen 42% aller ÖsterreicherInnen dem Satz zu:“ Beruf ist gut, aber was die meisten Frauen wirklich wollen, ist ein Heim und Kinder.“

https://www.derstandard.at/story/2000115506104/die-einstellungen-zu-geschlechterrollen-zeigen-uns-wie-wertewandel-funktioniert

Arbeitslos, systemerhaltend oder in Führungsposition

7,3% beträgt derzeit die Arbeitslosenquote in der EU, (7,7 % Frauen, 7,0% Männer), in Österreich beträgt sie 5,7%.

https://ec.europa.eu/eurostat/documents/portlet_file_entry/2995521/3-04032021-AP-DE.pdf/70095d38-5e8a-6149-5ad4-a7aa46c4fe9a

Allerdings trifft die Covid-19-Krise Mütter besonders hart, da sie zugunsten von Kindern und Familie (Home-Schooling, Kinderbetreuung, Hausarbeit...) öfter zurückstecken. Von der Mehrbelastung bzw. unbezahlten Arbeit ganz zu schweigen.

Noch 2016 übernahmen in der EU 92 % der 25- bis 49-jährigen Frauen mit Kindern unter 18 Jahren täglich die Betreuung und Erziehung ihrer Kinder, aber nur 68 % der Männer.

Bei Hausarbeit und Kochen sind die Unterschiede noch größer. 79 % der Frauen EU weit gegenüber 34% bei den Männern. 

service.destatis.de/DE/FrauenMaennerEuropa/DE_DE_womenmen_core/bloc-3d.html

Einer Studie der AK Burgenland zufolge trifft Frauen die Covid-19-Krise demnach doppelt hart. „Kinderbetreuung, Heimunterricht, die Angst um den Arbeitsplatz. Das sind derzeit die Sorgen vieler burgenländischer Frauen. Sie kommen an ihre Belastungsgrenze. Viele sind in Kurzarbeit oder im schlimmsten Fall sogar in die Arbeitslosigkeit - derzeit sind fast 5.500 Frauen arbeitslos, ein Plus von 23 Prozent - geschlittert und haben dadurch massive finanzielle Einbußen,“ so die Studie.

8% aller Burgenländerinnen definieren die Vereinbarkeit von Arbeit und Kinderbetreuung/Hausarbeit aufgrund der aktuellen Lage als „sehr schlecht vereinbar“, in Gesamtösterreich sind nur 5% dieser Ansicht. (Arbeitsklimaindex Burgenland)

Dennoch sind es ausgerechnet die Frauen, die nun das System am Laufen halten. Betreuungsberufe befinden sich zu 88% in weiblicher Hand, das Gesundheitspersonal besteht zu 81,5% aus Frauen und im Lebensmittelhandel sind 70,6% aller Angestellten weiblich. (ÖGB)

Leider ist, was arbeitslose Frauen betrifft, auch der Anteil geringqualifizierter recht hoch. 2020 hatten von durchschnittlich rund 5.350 arbeitslos vorgemerkten Frauen im Burgenland mehr als 2.000 keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung. (AMS)

Gänzlich konträr präsentiert sich die Lage der Frau in gehobenen bzw. politisch relevanten Positionen. Im EU-Durchschnitt etwa waren 2019 nur 31,4% aller Regierungsmitglieder weiblich (statista.com), während der Anteil an Frauen in Führungspositionen in Österreich 2019 bei 33,4% lag.

„Anfang 2021 wurden 9 Prozent der Positionen in den Geschäftsführungen* und 23,5 Prozent der Aufsichtsratsposten bei den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Österreich von Frauen besetzt“ vermerkt Statista.com und schreibt von einem neuen Höchststand des Frauenanteils. Dem gegenüber spricht der Gleichstellungsindex 2020/2021 von 20% Frauenanteil bei den Vorständen und 9% Bürgermeisterinnen. Im Burgenland sind 76% aller Spitzenpositionen in den Gemeinden rigoros männlich besetzt. Auch hier herrscht also noch großer Aufholbedarf.

Gleichstellung

 Bereits im internationalen, von Österreich 1953 ratifizierten Arbeitsübereinkommen, ist der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ festgehalten. Später wurde dieses Gleich-stellungsgebot auch in den Vertrag über die Arbeitsweise der EU (Artikel 157) und in die EU-Richtlinie 2006/54/EG übernommen, daneben setzt die EU sich auch massiv für wirtschaftliche Unabhängigkeit und Gleichstellung in Entscheidungsprozessen ein.

Dennoch sieht der europäische Gleichstellungsindex 2020 nicht allzu rosig aus. Zwar hat sich der gesamteuropäische Wert von 62 (2005) auf 67,9 (2020) verbessert, von den 100% ist man bzw. frau leider noch weit entfernt. Am besten ergeht es insofern den Schwedinnen mit 83,8%, die Österreicherinnen haben mit 66,5% das Nachsehen. Besonders, was die finanzielle Seite betrifft, leisten Frauen nach wie vor mehr Arbeit, die weniger bezahlt wird.

Was die Einkommensgerechtigkeit betrifft, schneidet das weibliche Geschlecht gleichfalls nicht ideal ab. Der Equal Pay Day 2021 fand - gemessen am österreichischen Durchschnitt - am 21. Februar statt, bis zu diesem Zeitpunkt arbeiten Frauen praktisch gratis. (Und hier ist Hausarbeit und Kinderbetreuung nicht eingerechnet). Arbeiterinnen verdienen im Durchschnitt 27,4% weniger, Angestellte sogar 31,4%. https://equal-pay-day.at/epd-2021-in-oesterreich/

Der burgenländische EPD hätte übrigens am 24. Februar stattgefunden.

Besonders dramatisch dabei: Mütter erleiden, verglichen mit kinderlosen Erwerbstätigen, Einkommenseinbußen von bis zu 70%. (Bertelsmann Stiftung 2020).

Mittlerweile ist sogar von einer „motherhood lifetime penality“ die Rede. Während kinderlose Frauen den Einkommensunterschied zu Männern zunehmend verringern, verlieren Mütter mit einem Kind etwa 40%, Mütter von drei oder mehr Kindern sogar bis zu 70%, wobei die zusätzliche Belastung durch Corona nicht miteinbezogen ist. Hinderlich auf eine bessere Verdienstlage wirken sich auch die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen aus, von denen im Burgenland nur 56,6 % neun Stunden oder länger offenhalten.
Väter hingegen verdienen mehr als Männer ohne Nachwuchs. www.zeit.de/gesellschaft/familie/2020-06/bertelsmann-studie-frauen-gehalt-muetter-lebenserwerbseinkommen-karriere

Derartige Einkommensverluste führen unweigerlich zu drastischen Unterschieden bei den Pensionen. Im Burgenland erhält eine Pensionistin durchschnittlich 15.200 Euro pro Jahr, ein Pensionist jedoch 27.000 Euro.

burgenland.orf.at/stories/3059030/

Einer Analyse der AK Burgenland zufolge wird sich das leider auch in absehbarer Zukunft nicht ändern. Burgenländische Arbeiterinnen und Arbeiter verdienen im Bundesvergleich am wenigsten. Hier beläuft sich das mittlere Einkommen auf 1.984 Euro, zudem hat sich die Einkommensschere durch die Covid-19-Pandemie zusätzlich verschärft. 2019 betrug das Durchschnittseinkommen von berufstätigen Frauen im Burgenland ca. 1.600 Euro.

Text: Klaudia Blasl

Sujet: Kommunikation Burgenland